Interview mit Triathletin Daniela Sämmler

Triathletin Danni Saemmler Daniela Sämmler (28) ist Darmstadts zurzeit beste Langdistanz-Triathletin. Spätestens seit ihrem Sieg Ende 2015 beim Ironman auf Mallorca hat sie sich in der deutschen Spitze etabliert, ihr dritter Rang vergangenes Jahr beim Ironman in Frankfurt verstärkte diese Position zusätzlich. Ihre ersten Gehversuche im Triathlon hat sie in der Region unternommen, unter anderem in Traisa, beim Mühlchen-Triathlon in Arheilgen – und natürlich beim Heinerman.

Mit ihr unterhielt sich Markus Philipp

Daniela, wenn Du Dich an Deine Anfänge im Triathlon erinnerst, wann entstand bei Dir erstmals der Gedanke, diesen Sport ambitioniert zu bestreiten?

Das Triathlon-Fieber hat mich sofort gepackt, schon bei meinem ersten Kindertriathlon, dem Traisathlon 1998. Als mir dann mit 14 Jahren das Vereinsschwimmen zu langweilig wurde, habe ich zusätzlich angefangen, Laufen und Radfahren zu trainieren, damals am Stützpunkt des Hessischen D-Kaders in Griesheim. Ambitioniert war es also schon sehr früh. Dass ich mein Hobby einmal zum Beruf machen würde, hätte ich allerdings nie gedacht.

Vier Teilnahmen beim Heinerman – da spielt vielleicht auch die gute Prämie für die Siegerin eine Rolle, aber wahrscheinlich noch andere Faktoren. Was macht dieses Rennen für Dich so attraktiv?

Der Heinerman war damals für mich der erste Start auf der olympischen Distanz. Heute weiß ich, je länger die Distanzen sind, desto wohler fühle ich mich, und so war es auch schon beim Wechsel von der Sprint- zur Olympischen Distanz. Für den Heinerman spricht ganz klar die Nähe zum Wohnort, die bekannten Strecken und Gesichter, die familiäre Atmosphäre – ein Heimrennen eben.

First stepto Hawaii“ – dieses Motto hat sich der Heinerman auf die Fahnen geschrieben. Wenn man Deine Karriere zurückverfolgt, dann trifft das auf Dich ziemlich genau zu. 2007 warst Du zum ersten Mal dabei und bist gleich Zweite geworden, in den beiden Folgejahren und 2013 warst Du die Siegerin am Woog. Welche Bedeutung hatten diese Ergebnisse auf Deine sportliche Planung?

Der Heinerman war damals für mich nicht nur der erste Start auf der Olympischen Distanz, sondern auch eines der ersten Rennen ohne Windschattenfreigabe. Dass mich dieses Format mehr reizt und mir außerdem deutlich besser liegt, habe ich also zum ersten Mal dort erlebt und festgestellt.

Der Schritt hin zum Profi ist dann ja aber doch auch gewagt, weil er mit einer veränderten Lebensplanung, finanziellen Herausforderungen und familiären Umstellungen einhergeht. Was waren Deine größten Bedenken und was Deine größten Motivationen?

Im Jahr 2009 habe ich zum ersten Mal eine Profilizenz gelöst, aber nicht etwa, um meinen Lebensunterhalt mit dem Sport zu verdienen oder weil ich mich als „Profi“ gefühlt hätte, sondern aus sportlichen Gründen. Ich wollte bei meinem ersten Start auf der Mitteldistanz einfach gleich sehen, inwieweit ich vorne mitmischen kann.
Dank guter Leistungen wurde ich 2010 dann ins Perspektivteam meines heutigen Hauptsponsors Erdinger Alkoholfrei berufen, diese Chance und gleichzeitige Herausforderung musste aber aufgrund einer Babypause zwei Jahre warten. 2012 durfte ich dann in das Nachwuchsteam hineinschnuppern, 2013 folgte meine erste Saison im Profiteam und damit das erste „echte Profijahr“.Vor allem in der Anfangszeit konnte ich dadurch wichtige Kontakte knüpfen und sicherstellen, dass die Motivation, diesen Weg zu gehen, immer stärker war als die Bedenken, es nicht zu tun.

Nun warst Du ja nach Deinen „firststeps“ in Darmstadt dann 2016 tatsächlich erstmals auf Hawaii und bist 36. geworden. Der Wettkampf war für Dich aber in vielerlei Hinsicht eine absolute Grenzerfahrung. Welche Schlüsse hast Du aus dieser Premiere gezogen?

Das ist richtig, meine erste Hawaii-Erfahrung war definitiv eine Grenzerfahrung, aus der ich wenig Positives mitnehmen konnte. Nichtsdestotrotz konnte ich viel hinzulernen und ich bin mir sicher, dass ich die Chance bekommen werde, zu zeigen, dass ich es besser kann. 2018 steht Hawaii wieder als großes Ziel in unserem Kalender.

Die gesundheitlichen Auswirkungen haben sich bis ins neue Jahr gezogen, eine Operation im Februar hat Dich zudem zurückgeworfen in Deiner Trainingsplanung. Wie gut hast Du alles überstanden und wie läuft das Training?

Anfang des Jahres war ich mit meiner Entwicklung über den Winter sehr zufrieden gewesen, musste dann allerdings aufgrund einer Schilddrüsenoperation im Februar noch einmal eine Zwangspause einlegen. Über mehrere Wochen hinweg konnte ich nur sehr ruhig und reduziert trainieren und meinen Leistungsstand so gut wie gar nicht einschätzen. In der Hauptvorbereitungsphase keine optimale Situation. Als „Experiment“ haben mein Trainer und ich dann entschieden, einen Wettkampf einzuschieben, um eine Standortbestimmung für die anschließenden Trainingswochen zu bekommen, bevor die Saison so richtig losgeht. Seit Anfang April ging es im Training langsam wieder aufwärts und die Mitteldistanz auf Gran Canaria war ein guter Gradmesser. Noch weit entfernt vom perfekten Rennen, aber eine gute Rückmeldung, dass wir wieder auf dem richtigen Weg sind.

Die Wettkampfplanung sieht in diesem Jahr keinen Start beim Heimrennen in Frankfurt vor, sondern als Saisonhöhepunkt die Erstauflage des Ironman in Hamburg. Wie kam diese Planung zustande?

Geplant war, die Konzentration in der ersten Saisonhälfte auf die Mitteldistanz zu legen. Eine Langdistanz im Juli lässt da nicht viel Spielraum, wenn man im Training den Schwerpunkt auf die längeren Strecken legen muss. Eine deutsche Langdistanz soll aber – auch aus Sponsorensicht - auf jeden Fall in meinem Wettkampf-Plan stehen, zudem reizt mich die Premiere in Hamburg sehr, nicht nur weil mir die Strecke sehr entgegen kommt, sondern weil es mit Sicherheit ein tolles Erlebnis ist, in einer Weltstadt wie Hamburg einen Ironman zu machen.

Mittlerweile liegt es ein paar Jahre her, dass Du zum Schwimmstart in den Woog gesprungen bist. Wird man Dich dort mal wiedersehen, wenn es die Wettkampftermine zulassen?

In diesem Jahr passt der Heinerman zwar nicht in meinen Wettkampfplan, da ich am selben Wochenende beim Chiemsee Triathlon über die Mitteldistanz starte, ich bin mir aber sicher, dass 2013 nicht mein letzter Start dort gewesen sein wird!